
Degenfechten
GRUNDLEGENDE BEGRIFFE
Fechten ist ein faszinierender Sport. Die nachfolgende Zusammenstellung der wichtigsten Begriffe und Regeln, die Einführung in die Beinarbeit und die Klingenführung sollen den fechtsportinteressierten Zuschauer den Einstieg in das Verständnis für das Fechtgeschehen erleichtern.
Die offizielle Sprache im Fechtsport ist Französisch. Alle Kommandos, Aussagen und das Jurieren werden auf internationalen Turnieren in der französischen Sprache geführt.
INFORMATIONEN ZUM GERÄT
Der Degen ist, wie das Florett und der Säbel, in die Hauptelemente "Schutz" und "Klinge" aufgeteilt. Der Schutz besteht aus den Elementen Glocke, Glockenpolster, Griff und Knauf. Die Glocke ist ein rundes metallisches Schild mit weniger als 13,5 cm im Durchmesser und ca. 5,5 cm tief mit einer rechteckigen Öffnung für die Angel und den Ricasso. Das Gewicht des Degens beträgt weniger als 770 gr und darf 110 cm Länge, gemessen von der Spitze der Klinge bis zum Ende des Knaufes, nicht überschreiten.
Die Degenklinge, aus gehärtetem Stahl hergestellt, setzt sich aus den Elementen Knopf, Ricasso und Angel zusammen. Sie ist im Querschnitt dreieckig und darf 90 cm Länge, gemessen von der konvexen Seite der Glocke, nicht überschreiten. Die Degenklinge ist gegenüber der flexiblen Florett- und Säbelklinge halb starr und wurde früher für Duelle benutzt. Der Stärkegrad der Klinge wird in drei gleiche Teile unterschieden: Stärke, Mitte und Schwäche.
EINIGE REGELN:
Beim Degen als reiner Stoßwaffe werden nur die Treffer gewertet, die mit einem Stoßdruck von mindestens 750 gr auf der gegnerischen Trefffläche auftreffen. Trefffläche ist der ganze Körper vom Scheitel bis zur Sohle. Treffer, die außerhalb dieser gültigen Trefffläche auftreffen, unterbrechen das Gefecht wie ein gültiger Treffer, zählen jedoch nicht. Eine Spezialität des Degenfechtens sind Hand- und Fußtreffer.
Die Fechtstellung ist die Ausgangsstellung für alle Beinbewegungen. Wir unterscheiden Schritt vorwärts, Schritt rückwärts, Ausfall, Flèche (blitzartige Bewegung aus der Ausgangsstellung heraus), Sprung vorwärts, Sprung rückwärts und Appell (Vortäuschen einer Angriffsbewegung, um eine Abwehrreaktion zu erzeugen).
Unter Mensur versteht man den Abstand der beiden Fechtern voneinander; bei einer engen Mensur erreicht ein Fechter seinen Gegner durch einfaches Armstrecken; die weite Mensur zusammengesetzte Beinbewegung (z.B. Schritt vorwärts und Ausfall).
Griff in einem Duell ein Fechter an, so konnte der andere Fechter nur überleben, wenn er diesen Angriff abwehrte. Diesem blieb daher keine andere Wahl, als diesen Stoß zu parieren. Wer beim Sportfechten den Angriff beginnt, hat nach dem Reglement Angriffsrecht, und der aus dieser Aktion erzielte Treffer wird gewertet. Greifen beide Fechter zur gleichen Zeit an (tempo simultanée oder tempo commune), wird bei Florett und Säbel der Treffer nicht gezählt, wohl aber beim Degenkampf. Treffen beide Degenfechter, erhalten beide einen Treffer, den sogenannten Doppeltreffer. "En garde" ist die Aufforderung des Obmannes an die Fechter, die Fechtstellung an der Startlinie einzunehmen und die Maske aufzusetzen, "Prêts?" heißt fertig und mit "Allez" beginnt das Gefecht.
Im Wechselspiel der Klingen unterscheidet man Angriff und Verteidigung.
Aktionen des Angriffs sind: der gerade Stoß, die Cavation (Umgehung), der Filo (Gleitstoß) und der Winkelstoß. Zusammengesetzte Angriffe sind die Finte, die Doppelfinten, die Riposten mit Finten.
Klingenbewegungen, die die Spitze der gegnerischen Klinge abwehren, bevor sie ihr Ziel erreichen, sind die Paraden. Man unterscheidet die direkten Paraden, die Übertragung von einer direkten Parade zur andern, die Zedierungsparaden und die Riposten.
Bei den Mannschaftswettkämpfen ficht jeder Fechter einer Mannschaft gegen jeden Fechter der anderen Mannschaft. Jede Mannschaft besteht aus 3 Fechtern und einem Ersatzfechter. Der Mannschaftswettkampf erfolgt im Stafettensystem: das erste Paar kämpft bis 5 Treffer oder bis 4 Minuten vergangen sind. Dann übernimmt das nächste Paar den Trefferstand und ficht maximal 4 Minuten weiter oder bis auf einer Seite insgesamt 10 Treffer gefallen sind. So geht es weiter, bis auf der Sieger-Seite 45 Treffer gefallen sind. Es wird immer der Trefferstand übernommen, den die Fechter bei Ablauf der Zeit erzielten, sodaß der Mannschaftskampf auch mit weniger als 45 Treffern beendet sein kann.
Die einzelnen Gefechte finden in der folgenden Reihenfolge statt:
3 mit 6, 5 mit 1, 2 mit 4, 6 mit 1, 3 mit 4, 5 mit 2, 1 mit 4, 6 mit 2, 3 mit 5.
Die ebene Kampfbahn ist 14 m lang, 1,5 bis 2 m breit. Die Startlinien sind jeweils 2 m von der Mittellinie entfernt. Hinter dieser Mittellinie stellen sich die Fechter bei Beginn des Gefechtes und wenn ein Treffer gefallen ist auf. Die Endlinie wird auf der Bahn mit einem Strich deutlich gekennzeichnet. Somit bleiben dem Fechter 5 m zum Zurückweichen. Verläßt ein Fechter mit beiden Füßen die Bahn, so wird der Gegner um 1 m vorgestellt, sodaß der verbleibende Fechter an Boden gewinnt.
Zum Ausschluß von Benachteiligungen der Fechter und um die Sicherheit des Fechtens zu gewährleisten, ist vor Beginn eines Turnieres eine Kontrolle der Waffen und der Maske vorgeschrieben. Auch der Obmann muß sich überzeugen, daß die Kleidung und Ausrüstung den Sicherheitsvorschriften der Fédération International dŽEscrime entspricht.
Der Obmann leitet die Gefechte. Tatsachenentscheidungen des Obmanns sind nicht anfechtbar, wohl aber Verfahrensfehler. Unterbricht der Obmann ein Gefecht wegen eines gefallenen ungültigen Treffers, wird das Gefecht an der Stelle fortgesetzt, an der es vom Obmann unterbrochen wurde. Der gesetzte Treffer wird gezählt, und zwar immer so, daß der Trefferstand des rechten Fechters, vom Obmann aus gesehen, zuerst genannt wird. Die reine Kampfzeit wird gemessen zwischen dem "Los" und dem "Halt" des Obmannes.
Alors, en garde mesdames, messieurs!
